Video: Digitale Zukunftstrends der Sportbranche - Markus Neumann im Interview mit Stefan Herzog

Auf der Internet World Expo 2018 haben Markus Neumann (mediawave) und Stefan Herzog (Herzog SportsConnection) über die Zukunft des E-Commerce im Sportbereich gesprochen. Die Themen dabei waren Trends, Herausforderungen und Chancen der Branche.

Die Sportbranche ist ein schnelllebiger und komplexer Markt mit enormem Wachstumspotential im Bereich Digital Commerce. Im Interview mit Stefan Herzog, der schon für Branchen-Giganten wie Karstadt Sport oder Sport Scheck in der Geschäftsführung tätig war, erfährt mediawave Geschäftsführer Markus Neumann wichtige Insights. Warum ist das Thema Multichannel in dieser Sparte so wichtig? Welche Technologien sind für Händler und Hersteller relevant? Wer muss beim Thema Omnichannel am Ball bleiben? Wer also wissen möchte was die digitalen Zukunftstrends der Sportbranche sind, sollte dieses Interview – aufgezeichnet auf der Internet World Expo 2018 in München – keinesfalls verpassen.

Die Hightligts dieses Interview-Panels haben wir zum Nachlesen zusammengestellt. Fürs Nachhören im Detail ist zu jeder Frage die Zeitangabe vermerkt. Weitere spannende Statements zum Thema bietet das Video.
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2:14 min
Markus Neumann: Vielleicht ganz kurz zum Sportmarkt. Es ist ja ein sehr komplexer Markt, in den viele Bereiche reinspielen – wie z.B. Fashion, Hardware und Technologie. Was sind aktuell die größten Herausforderungen bzw. Pain Points, die es in der Branche gibt?

Stefan Herzog: Es ist in der Tat so, dass der Sportmarkt eine hohe Affinität zum Online- bzw. Multichannel-Geschäft hat. Es ist eine sehr affine Zielgruppe für das Thema, schon immer gewesen. Es sind die Themen Textil, Schuhe und Hardware drin, es sind beratungsintensive Sortimente, die natürlich auch sehr, sehr gut funktionieren, die von Beginn an sehr gut funktioniert haben. Wenn man sich die Wachstumsraten anschaut, ja, wächst der Onlineanteil im Sport. Aber ich denke immer noch ausgestaltet mit ganz, ganz vielen Chancen, wenn man sich anschaut, dass sich nur ca. 20 Prozent der Sporthändler in Deutschland – und das ist ein Markt von gut 8 Milliarden Euro und mit Österreich und Schweiz der Kernmarkt in Europa – mit dem Thema Transformation und Digitalisierung ernsthaft beschäftigen. Und das hat die weltweit größte Sportmesse ISPO auf den Weg gebracht – einen digitalen Readiness-Check für die Branche. Da kommen schon die ersten Rückläufe. Da sieht man, wie der Handel und die Industrie gerade unterwegs sind. Die größten Pain Points sind sicherlich die ganzen Herausforderungen der Transformation, diese zu managen, nicht nur Richtung Kunden, sondern vor allem wirtschaftlich zu managen, weil es mittlerweile mit deutlich mehr Investitionen zu hinterlegen ist und der Kunde natürlich – Thema Kunden- und Warenzugang – alle Möglichkeiten hat. (...) Im Sportmarkt gibt es massive Chancen, das Thema „digital“ noch einmal ganz anders zu spielen und für die Wertschöpfung nach vorne zu bringen. Im Sport hat man schon immer gemessen – ob Zeit oder Distanz. Da sieht man schon, allein aus dem Aspekt, wie viele Möglichkeiten man auch über Cross-Industry-Sachen hat. Elektronik ist ein Riesenthema im Sport, Wearables, alles Themen, die man natürlich perfekt digital umsetzen und zum Kunden ausspielen kann.

 

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Markus Neumann: Sie haben gerade gesagt, dass das Thema Technologie an sich eine Riesenchance ist. Ist es auf der anderen Seite nicht auch so, dass es auch eine große Herausforderung ist? Ist es manchmal nicht auch ein Hemmnis, dass die technologische Basis noch nicht da ist, um diese neuen Technologien zu nutzen?

Stefan Herzog: Absolut. Und ich denke auch, das ist die große Herausforderung vor dem Hintergrund, das auch noch wirtschaftlich zu machen. Themen, wie kriege ich meine Produkte sauber dargestellt, wie kriege ich so ein Produkt-Information-Management, wie kriege ich so ein PIM sauber, und vor allem wirtschaftlich dann auch zum Kunden ausgespielt? Es gibt ganz viele Facetten und Sport ist nun einmal ganz, ganz breit, ein riesiger Bauchladen an Angebot, wenn man sich so einen Sportgesamtanbieter anschaut. Übrigens sind deswegen auch die Spezialisten die, die erfolgreich sind, zum Teil erfolgreicher als die Generalisten, die mit ihrem Long-Tail-Sortiment nicht wissen, wie sie das Ganze bewirtschaften sollen, auch wirtschaftlich im wahrsten Sinne des Wortes.

 

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Markus Neumann: Würden Sie sagen, dass man heute noch erfolgreich ist, wenn man als Hersteller oder Händler einen klassischen Onlineshop launcht, der eher statisch ist, ein Katalog ist? Kann man damit noch Umsatz oder EBIT generieren? Oder muss man sich andere Geschäftsmodelle oder Themen ausdenken?

 

9:32 min
Markus Neumann: Sie haben gerade die Großen am Markt angesprochen. Haben da kleinere Händler überhaupt eine Chance, die keine Million haben, in digitale Technologien zu investieren?

Stefan Herzog: Ja, das glaube ich ganz bestimmt. Bei aller Digitalisierung und Transformation und technischem Fortschritt bleiben doch die Grundmechanismen des Retail die gleichen. Ich muss erstmal eine Marke aufbauen, die draußen eine gewisse Relevanz hat, ich muss ein Kundenversprechen zum Kunden transportieren, das wirklich glaubhaft ist, und dann kann ich mir Gedanken machen, durch welche Absatzkanäle ich das zum Kunden bringen möchte. Im ersten Schritt ist es diese Grundsatzentscheidung, die noch lang nicht jeder für sich im Sport wirklich getroffen hat. Dann ist es das Thema, wie kann ich meine Marke wirklich aufladen. Markenbekanntheit ist ein Riesenthema, wenn ich dann auf den Flächen auch eine Konversation haben möchte, den entsprechenden Umschlag. Das Feld ist noch lang nicht bestellt, auch wenn es jeder auf der strategischen Agenda hat.

 

16:40 min
Markus Neumann: Vielleicht kommen wir jetzt einmal zu den Themen, die den Markt bewegen. Was sind Themen am Markt, in die es sich wirklich schon lohnt zu investieren?

Stefan Herzog: Ich bin ein großer Fan davon, dass die Dinge, die man tut, auf den Flächen auch wirklich einzahlen, in Umsatz und Ergebnis. Alles andere – und das sieht man auch viel draußen am Markt – ist das Tüpfelchen aufs I. Wenn man sich das erlauben kann, ist das schön. Ich weiß nicht, ob ich noch ein interaktives Schaufenster in den Laden bauen würde – ohne jemandem auf die Füße treten zu wollen. Fakt ist, ich brauche eine Digitalstrategie, wo am Ende im ersten Schritt ein wesentliches KPI der Umsatz und die Erhöhung der Conversion Rate ist. Das ist doch, was wir alle, die im Handel unterwegs sind, brauchen und auch beklagen, sowohl im Netz/online, also wie viel brauche ich, um meine Conversion zu steigern als auch im Retail, also fehlende Frequenzen und diese Themen. Deswegen glaube ich, was im Moment gute Themen sind, sind einerseits tablet-basierte Beratungen im Handel. Da gibt es wirklich sehr, sehr gute Systeme, die den Verkäufer auf der Fläche ganz anders agieren lassen, wo ich wirklich dieses klassische Thema der Nein-Verkäufe – das hat man ja oft, das Sakko ist schön, aber in der Größe habe ich es leider nicht mehr da – deutlich reduziere, wenn ich sage: „Ich habe es im Lager“, „Ich habe es in einer anderen Filiale“, „Ich kann es Ihnen schicken“ oder „Wollen Sie es heute Abend abholen?“. Das hat natürlich einen direkten Link zum Onlinekanal, völlig klar. Andererseits wird das Thema Payments, und das sieht man auch auf der Messe, ein ganz wesentliches und wichtiges Thema sein – mit ganz vielen Möglichkeiten, das Verkaufs- und Einkaufserlebnis schneller und durchgängiger zu machen. Da hat vor Jahren Apple vorgemacht, wie es geht. Das ist ja alles in den Schubladen. Das sind so zwei Dinge – schnelle Abwicklung und Thema Wirtschaftlichkeit/Thema Conversion-Steigerung. Das würde ich mal so im Raum stehen lassen.

 

25:23 min
Markus Neumann: Das Thema Omnichannel: Muss man auch als Online-Pure-Player einen eigenen Laden aufmachen oder ist das nur ein Hype-Thema, das man es macht, weil es die anderen auch machen?

Stefan Herzog: Das muss man sicherlich nicht. Die Frage ist immer, wie will ich meine Marke zum Kunden transportieren? Will ich eine Marke zum Anfassen? Glaube ich, dass Brick & Mortar einfacher geht, indem ich den Kunden auch einmal haptisch bei mir habe? Ich würde zwingend davon abraten, es einfach zu machen, weil man glaubt, auch ein Multi-Channel-Händler sein zu müssen. Da muss schon eine deutliche Strategie dahinter sein.